Erlernen der Partnersprache - 6. Deutsch-Französischer Ministerrat (14. März 2006)

1. Sachstand

Deutsch und Französisch sind die beiden meistgesprochenen Muttersprachen in Europa. Dabei stagnierte seit Jahren die Anzahl der Französischlerner in Deutschland, die Anzahl der Deutschlerner in Frankreich ging zurück. Beide Länder sind füreinander jeweils die wichtigsten Wirtschaftspartner. Trotzdem können Tausende von Arbeitsplätzen aus Mangel an Bewerbern, die der Sprache des Nachbarlandes mächtig sind, nicht besetzt werden. Aus diesem Grund haben der französische Minister für Bildung, Hochschulwesen und Forschung und der Bevollmächtigte der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit im Jahr 2004 eine Strategie zur Förderung der Partnersprache entwickelt, die anlässlich des Deutsch-Französischen Ministerrats am 26. Oktober 2004 in Berlin vorgestellt wurde. Ziel der Strategie ist es, den Anteil derjenigen, die die Partnersprache erlernen, bis 2013 um 50% zu erhöhen.

2. Konkrete Aussichten und Initiativen

Erste sehr erfreuliche Ergebnisse liegen bereits vor:

In Frankreich ist die Anzahl der Schüler, die in der sixième Deutsch lernen, bei Schuljahresbeginn 2005 um etwa 9% gestiegen, nachdem in der Primarstufe bereits seit Schuljahresbeginn 2004 Fortschritte festgestellt worden waren. Grund für diesen beträchtlichen Anstieg ist vor allem die Entwicklung der "zweisprachigen" sixième-Klassen, in denen Englisch und Deutsch zu gleichen Teilen unterrichtet werden: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum war die Anzahl dieser Klassen um 40% gestiegen.

In Deutschland lernen seit dem vergangenen Schuljahr 4% mehr Schüler Französisch, wobei in der Primarstufe eine Steigerung von 21% zu verzeichnen ist. Die Frühvermittlung der Partnersprache, die besonders in an Frankreich angrenzenden Ländern vorangetrieben worden ist, trägt Früchte. Auch der in vielen Bundesländern durchgeführte Sachfachunterricht in der Partnersprache sowie die Einrichtung bilingualer fünfter Klassen haben sich als erfolgreiche Maßnahmen zugunsten der französischen Sprache erwiesen.

Überdies werden in beiden Ländern Sprachzertifikate im schulischen Bereich eingeführt, die dem gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen entsprechen: In Frankreich wird den Schülern ab diesem Schuljahr auf Initiative des Bevollmächtigten, MP Peter Müller, erstmals das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) in den Niveaustufen A2 und B1 des europäischen Referenzrahmens angeboten; in Deutschland erfreut sich das vom internationalen Zentrum für pädagogische Studien (CIEP) entwickelte Diplôme détudes en langue française scolaire (DELF) wachsender Beliebtheit: 2005 absolvierten 31.162 Schüler diese Prüfung, im Vergleich zu 20.500 im Jahr zuvor.

Auch wird in beiden Ländern das Angebot zum gleichzeitigen Erwerb des Baccalauréat und des Abiturs (AbiBac) ausgedehnt. Auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens wird zurzeit eine Vereinfachung der Korrekturmodalitäten erarbeitet, um die Ausdehnung von AbiBac auf alle Akademien und alle Länder bis zum Jahr 2007 zu erleichtern.

Schließlich sei noch der erneute Erfolg des diesjährigen Deutsch-Französischen Tages hervorgehoben, der sich, wie bereits im Vorjahr, schwerpunktmäßig mit der Verbindung zwischen Partnersprache und Beschäftigung befasste. Zu diesem Anlass wurde von den beiden Staatsministern für europäische Angelegenheiten, dem französischen Bildungsminster sowie dem Bevollmächtigten eine neue Initiative ins Leben gerufen: Am 23. Januar konnten französische Schüler in einem deutschen Unternehmen in Frankreich und deutsche Schüler in einem französischen Unternehmen in Deutschland einen "Entdeckungstag" verbringen. Ebenfalls anlässlich des Deutsch-Französischen Tages wurde die Broschüre, die in Frankreich vom Bildungsministerium, Außenministerium, Goethe-Institut, DAAD und der Deutsch-Französischen Hochschule, in Deutschland vom Bevollmächtigten, von der Kultusministerkonferenz, dem Auswärtigen Amt und der Französischen Botschaft erarbeitet wurde, in einer Auflagenhöhe von 1.100.000 in Frankreich und 165.000 in Deutschland an Grundschulen und in der Sekundarstufe 1 verteilt.

3. Zeitplan für die Umsetzung

Die Umsetzung wird in Übereinstimmung mit dem Terminplan und den Zielen der Strategie zur Förderung der Partnersprache fortgesetzt.

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