Die deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung

Soldaten der Deutsch-Französischen Brigade bei einer Übung der NATO-Eingreiftruppe 2006 auf den Kapverden - Foto: © Capitaine J. Bölling Die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich sind intensiv und dynamisch und sie bleiben unerlässlich für die strategischen Ziele beider Länder, besonders was ein Europa der Verteidigung und die Erneuerung der NATO betrifft. Unter dem Siegel der Versöhnung gegründet, behält die NATO einen besonderen Charakter durch ihren Umfang und ihre Qualität. Sie basiert auf gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Vertrauen.

Die deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung ist sehr strukturiert und ihr Aktionskreis umfangreich. Sie findet ihren institutionellen Ausdruck im Deutsch-Französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrat (DFVSR), in dem alle sechs Monate der französische Präsident und die Bundeskanzlerin mit den Verteidigungs- und Außenministern sowie dem Generalstabschef der französischen Streitkräfte und dem Generalinspekteur der Bundeswehr zusammen kommen.

Diese Treffen werden in Kommitees, Kommissionen und Arbeitsgruppen vorbereitet. Diese Gruppen sind: „Strategie und Abrüstung“, deutsch-französische Gruppe der militärischen Zusammenarbeit, Rüstungsgruppe und Justizgruppe.

Ziel ist, die deutsch-französische Kooperation in Umfang und Qualität aufrechtzuerhalten. Die Einrichtungen der deutsch-französischen Gruppe der militärischen Zusammenarbeit befinden sich zur Zeit in einer Erneuerung, die sie reaktionsfähiger und dynamischer machen soll.

Anlässlich der 50. Sitzung dieser Gruppe im Oktober 2008 haben der französische Generalstabschef und der deutsche stellvertretende Generalinspekteur entschieden, dass die strukturelle Arbeit in konkreten Projekten durch eine Logik der Ziele und Ergebnisse neu ausgerichtet wird, um mehr Effizienz zu erlangen. 13 Projekte wurden hier berücksichtigt, wie zum Beispiel das Engagement des Eurokorps in Afghanistan, die Definition einer „gemeinsamen Vision 2030“ im Kapazitätsbereich und die Unterstützung der Menschen in der Operation. Jedes dieser Projekte war grundsätzlich definiert durch die erwarteten Ergebnisse und zeigte generell politisch-militärisches oder ein gemeinsames Interesse verschiedener Armeen.

In diesem Rahmen liegt die Priorität bei Aktivitäten, die auf die Befriedigung gemeinsamer operationeller Bedürfnisse und auf die Erweiterung deutsch-französischer Initiativen zu Gunsten der Europäischen Union oder der NATO zielen.

Die Hauptaktivitäten der deutsch-französischen Zusammenarbeit sind die folgenden:

- Die Deutsch-Französische Brigade, 1989 gegründet, deren Generalstab, Aufklärungskompanie und Versorgungsbataillon in Mülheim stationiert sind. Die Brigade zählt 2800 deutsche und 2300 französische Soldaten und Soldatinnen. Sie setzt sich zur Zeit aus zwei deutschen und zwei französischen Regimenten zusammen. Bis Anfang 2009 war die Brigade ausschließlich an Standorten im Südwesten Deutschlands (Donaueschingen, Immendingen und Villingen) stationiert. Am 3. Februar 2009 trafen Deutschland und Frankreich die Grundsatzentscheidung zur Stationierung einer deutschen Einheit in Ostfrankreich.

Schon jetzt gibt es deutsche Militäreinheiten auf französischem Boden: Mehrere hundert deutsche Soldaten, vor allem Offiziere, sind im Hauptquartier des Eurokorps in Straßburg präsent.

- Deutsch-Französisches Heeresfliegerausbildungszentrum TIGER, bei dem sich die Flugübungen und die taktische Ausbildung in Luc in Frankreich abspielen, während die technische Ausbildung in Fassberg in Deutschland stattfindet;
- Das deutsch-französische Ausbildungszentrum für Fliegerleitoffiziere (CFAA in Nancy), das einzige Zentrum in Europa, das Fliegerleitoffiziere bis zum Niveau „combat ready“ nach den Standards der NATO ausbildet;
- Der Deutsch-Französische Marine-Verband, der jährlich anlässlich der großen bilateralen Marine-Zusammenkünfte formiert wird;
- Austausch und gemeinsame Ausbildung, vor allem der Offiziersaustausch, der ein Modell für das Konzept eines militärischen Erasmusprogrammes ist, das von der französischen Präsidentschaft des Europäischen Rates entwickelt wurde. Seit dem Ausbildungsbeginn 2007 werden hier in der Erstausbildung der Heeresoffiziere fünf deutsche Offiziersanwärter in Frankreich (zwei Jahre Offiziershochschule und drei Jahre auf der Militärakademie von Saint-Cyr Coëtquidan) und fünf französische Offiziersanwärter in Deutschland ausgebildet.

Mehr zu den großen Themen der Deutsch-Französischen Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung:

- Deutsch-Französischer Verteidigungs- und Sicherheitsrat
- Eurokorps
- Deutsch-Französische Brigade
- Offiziersaustausch
- Battlegroups-Konzept der Europäischen Union

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